Libertäre Grüsse aus Waghäusel-Kirrlach

Am vergangenen Samstag nahm ich zum ersten Mal am jährlichen Roland-Baader-
Treffen
teil, das traditionsgemäss an seinem Geburts-, Lebens- und Sterbeort
Kirrlach in Nordbaden stattfand.

Meine anfängliche Befürchtung, das Treffen bestehe lediglich aus einer kleinen
Runde von Personen aus dem persönlichen Netzwerk Roland Baaders, erwies sich
spätestens beim Anblick des gut gefüllten Parkplatzes vor dem Veranstaltungsort als
gegenstandslos. Die Teilnehmerschaft setzte sich aus einem bemerkenswerten Mix
aus Anarchokapitalisten, Minarchisten, Ordoliberalen und Konservativen zusammen.
Auch ein ehemaliger Politiker und Herausgeber eines nationalkonservativen
Mediums aus dem helvetischen Flaach war angereist. Gerade Letztere bestanden zu
einem guten Teil aus Weggefährten Roland Baaders, der in Ermangelung eines
genuin deutschsprachigen libertären Mediums anfänglich häufig in konservativen
Presserzeugnissen publizierte.

Zu Beginn der Veranstaltung stand ein gemeinsamer Spaziergang zu Roland
Baaders Grab auf dem nahegelegenen Gemeindefriedhof an, wo er zusammen mit
seiner ebenfalls früh verstorbenen Gattin seine letzte Ruhe gefunden hat.
Anschliessend begann der eigentliche Höhepunkt der Veranstaltung: Nach einer
Laudatio von Daniel Baader, dem Veranstalter und Sohn des Namensträgers, leitete
dieser zügig zur Verleihung der diesjährigen Roland-Baader-Auszeichnung über, die
in diesem Jahr an den Autor, Gestalttherapeuten und Anarchisten Stefan Blankertz
ging.

Bei der Vorstellung seiner Person durch André Lichtschlag und Daniel Baader
wurden zahlreiche interessante Aspekte seines Wirkens bekannt. In Blankertz’
Dankesrede kam deutlich seine Überzeugung zum Ausdruck, dass eine
Überwindung der Herrschaft des allmächtigen Staates nur durch eine Rückkehr zur
Subsidiarität — pointiert: Gemeinderecht bricht Bundesrecht — und durch die
gleichzeitige Respektierung des Sezessionsrechts jedes Einzelnen möglich sei.

Zur Abrundung des gemütlichen und sonnigen Nachmittags gab „die Stahlfeder“ eine
kabarettistische Einlage zum Thema Politik und Vielgeschlechtlichkeit zum Besten,
die stellenweise so spitzzüngig war, dass den Teilnehmern aus dem konservativen
Lager gelegentlich das Lachen im Halse stecken blieb. Der anschliessende tosende
Applaus sowie die zahlreichen Gespräche bei kühlem Bier und Currywurst gaben
jedoch die Gewissheit, dass sich ein grosser Teil der Teilnehmerschaft des Roland-
Baader-Treffens klar im libertären und anarchokapitalistischen Umfeld verortet.

Vielleicht treffe ich nächstes Jahr ja auch ein paar andere LP-Supporter?

Alexander Schmied

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